Donnerstag, 18. Februar 2016

Zerrissen und doch ganz: The Emerald Light in the Air

The Emerald Light in the Air (dt. Das Smaragdene Licht in der Luft
von Donald Antrim 
2014 Granta Books 
ISBN 978-1-84708-651-8

In sieben tragischen, skurrilen und komischen Geschichten werden uns Menschen vorgestellt, die mit ihrem Selbst hadern, aber nichts mehr als leben wollen. 
„The Emerald Light in the Air“ handelt von einem Kunstlehrer, der von seiner langjährigen Freundin verlassen wurde und sich nun in die Berge aufmacht, um ihre zurückgelassenen Landschaftsgemälde endgültig loszuwerden. 
Ein Ehemann kauft seiner Frau in „Another Manhatten“ einen grotesk teuren Blumenstrauß, während diese mit ihrem Liebhaber und dessen Frau, die zugleich auch die Ex-Geliebte des Blumenkäufers ist, in einem Restaurant auf ihn warten. 
Ein junger Mann versucht sich Tag für Tag an Lyrik, die er in einem Notizbuch namens „Pond. With Mud“ notiert. Er trifft den Vater des Sohnes seiner Freundin und gemeinsam mit dem Jungen betrinken sie sich schweigend in einer heruntergekommenen Bahnhofsbar.

„It frequently happened, when Patrick stopped purposefully making notes in 
‚Pond, With Mud’ (his secret name for his encrypted journal), that he began to feel as if 
he might be on the verge of formulating a concrete idea about the nature of things. 
It was a feeling that came, as he thought of it, from deep in his heart. 
But each time he got this feeling it almost instantly went away. 
Would he never know what it was that he was trying to think about himself?“

Donald Antrims „The Emerald Light in the Air“ ist eine Sammlung von sieben Stories, die über 16 Jahre hinweg zunächst in Zeitungen veröffentlicht wurden und schließlich als Sammlung für die Longlist des Folio Prizes des Jahres 2015 nominiert wurden. Sie erzählen die Geschichten von desorientierten, verzweifelten, mutlosen Menschen und zeigt tragische bis skurrile Momentaufnahmen ihrer Leben von großer Schönheit und Wahrhaftigkeit.
Die Protagonisten von Antrims Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein, sie stehen an verschiedenen Punkten ihres Lebens. Ihnen allen ist eine gewisse hoffnungsvolle Mutlosigkeit inne, welche in unterschiedlichen Kompensationen ihren Ausdruck findet. Die Situationen, in denen wir sie vorfinden, haben immer etwas Alltägliches, hinter dem sich jedoch eine versteckte Größe verbirgt. Denn schlussendlich sind es kaum zufällige Momente, die Antrim seinen Lesern vor Augen führt, nein, es sind entlarvende, selbstreflektive Ausschnitte aus dem Alltäglichen. Momente, in denen ein Möchtegern-Poet beinahe einer wichtigen Wahrheit über sich selbst auf die Spur kommt oder ein Paar, dass an verschiedenen psychischen Krankheiten leidet, wieder einmal erkennt, wie sehr sie sich brauchen und lieben. Diesen Momenten haftet auf den ersten Blick die Mattheit der Trivialität an – immerhin ist es nicht das erste Mal, das besagtes Paar in „Solace“ auf einen ihrer Einkaufsbummel geht. Es ist im Gegenteil Routine, wohl einstudiert, mit eigenen Ritualen, doch dieses eine Mal ist etwas anders. Auch in „Ever Since“ ist es auf einer von vielen Autorenlesungen seiner Freundin, als der Protagonist sich erneut nach seiner Exfreundin sehnt und fast gleichzeitig daran denkt, seine aktuelle Freundin, mit der er diese Party besucht zu heiraten.
Das Widersprüchliche, das Skurrile in den Handlungen dieser Menschen zu entlarven, es Stück für Stück ans Licht zu bringen – sanft schimmernd, ein Licht, das vielleicht zu einer bestimmten Tageszeit einen smaragdenen Schimmer annimmt, das gelingt Donald Antrim in jeder einzelnen seiner sieben Stories. Er schwankt zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Ernst und Komik, indem Antrim sich exakt auf diese Grenzlinien konzentriert und diese präzise auslotet, schenkt er seinen Lesern eine faszinierende Einsicht in die Psyche seiner zerrissenen Figuren. Eine absolut fantastische, entlarvende Lektüre!

Interesse? Hier geht es zum Buch auf der Verlagsseite:

Oder doch lieber auf Deutsch in der schönen, gebundenen Rowohlt-Ausgabe lesen?
http://www.rowohlt.de/hardcover/donald-antrim-das-smaragdene-licht-in-der-luft.html
 
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