Samstag, 31. Januar 2015

Blutiger Schicksalssog: Das Polykrates-Syndrom

Das Polykrates-Syndrom 
von Antonio Fian 
2014 Literaturverlag Droschl 
ISBN 978-3-85420-950-8

Artur, der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, führt ein eher inhaltsloses Leben: Obgleich er Akademiker ist, arbeitet er in einem Copy-Shop und gibt nebenberuflich Nachhilfe. Seine Ehe verläuft mittlerweile auch mehr als unspektakulär, er hat sich seiner Ehefrau Rita im Grunde untergeordnet. Die Romanhandlung setzt ein, als Artur eines Abends im Copy-Shop Alice begegnet. Alice, eine femme fatale, hinterlässt ihm eine Nachricht im Kopierer, auf Grund derer Artur ihr nachgeht. Diese Begegnung wird Arturs unspektakuläre Existenz ein für alle Mal aus ihren geordneten Bahnen werfen und nicht nur das: eine surreale Abwärtsspirale beginnt. Denn Alice hat einen gewalttätigen Ex-Freund, von beiden nur Arschloch genannt, der nach einer Begegnung mit Alice nicht mehr zu den Lebenden zählt. Artur beschließt, ihr zu helfen Arschlochs Leiche zu verstecken und das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Mit dem „Polykrates-Syndrom“ haben wir einen Titel vor uns, der für den Deutschen Buchpreis des Jahres 2014 nominiert war, es jedoch leider nicht über die Longlist hinausgeschafft hat (was er jedoch – neben einigen anderen Titeln der letztjährigen Longlist, welche ich noch besprechen werde – mehr als nur verdient hätte). 
Aufgefallen war mir dieser Titel jedoch auch schon zuvor. Das Cover lässt den Leser schon erahnen, dass er einen Roman vor sich hat, der vor düsterer Drastik und Dramatik nur so strotzt – zu sehen ist ein blutverschmiertes weibliches Gesicht in Nahaufnahme. 
Antonio Fian gelingt es auf sehr österreichische Weise schwarzen Humor mit tatsächlichen Thriller-, wenn nicht schon Splatter-Elementen zu vereinen. Der Titel des Romans entfaltet im Verlauf, nein, im Rausch der Handlung seine wahre Bedeutung, wurzelnd in der griechischen Mythologie. 
Im Klappentext des Literaturverlages Droschl heißt es so wunderbar die „Romanfiguren sehen sich unausweichlich in Handlungen verstrickt, die weder sie sich selbst noch die Leser ihnen jemals zugetraut hätten“. In der Tat stutzt man als Leser an manch einer Stelle und kann sich nur fragen „Wie zur Hölle ist das jetzt passiert?“ – und das ist neben der sprachlichen Raffinesse des Autors, seinem düsteren Humor und seiner Fähigkeit, den Leser in eine soghafte Handlung á la Quentin Tarantino zu versetzen, das Grandiose an diesem Roman. 
„Das Polykrates-Syndrom“ hat, was so vielen aktuellen Titeln fehlt: Es weiß den Leser zu überraschen und zu schockieren. Einfach nur phantastisch. 
P.S. Vielen Dank für das „Flanellläppchen“ – das war wirklich eine Bildungslücke J

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