Sonntag, 15. Februar 2015

Portrait einer verlorenen Generation: Am Ende schmeissen wir mit Gold

Am Ende schmeissen wir mit Gold 
von Fabian Hischmann 
2014 Berlin Verlag 
ISBN 978-3-8270-1148-0

Ein junger Lehrer namens Max ist der Protagonist des Romans, zu dessen Anfang ein Anruf seines Vaters ihn aus seiner Lethargie vor dem Fernseher reißt. Er war wie so oft dabei, sich einen Tierfilm anzusehen. Ungewollt herausgerissen aus einer Lethargie, die nicht nur seine Hobbys betrifft, sondern sein gesamtes Leben lähmt, sagt er seinem Vater zu, für seine Eltern das Haus und den Hund zu hüten, so lange diese im Urlaub auf Kreta sind. Seine Reise endet jedoch nicht mit der Fahrt in die Heimatstadt, auch nicht mit der Begegnung mit seiner Jugendliebe - stattdessen sieht Max sich durch ein tragisches Unglück gezwungen, nach Kreta zu fliegen, denn seine Eltern sind bei einem Unfall umgekommen.
Doch auf Kreta endet Max Reise noch nicht, sie beginnt dort erst wirklich. 
In New York muss er sich endlich den Verfehlungen seiner Vergangenheit stellen und schließlich eine Lebensaufgabe für sich selbst finden und die Lethargie und Inhaltslosigkeit hinter sich lassen, welcher er bisher erlaubt hat, sein Leben zu durchdringen.

Ein grandioser Roman, der die von Max verkörperte Generation der Inhaltlosigkeit portraitiert, die nicht weiß, wer sie ist, was sie will und wonach sie strebt. Im Grunde strebt sie gar nicht. Max ist das Paradebeispiel derselben: Er übt einen Beruf aus, der ihm nichts gibt, er lässt sich gewohnheitsmäßig von Tierfilmen beschallen, hat kaum soziale Kontakte (bis auf seinen Freund Valentin) bevor er in sein Heimatdorf zurückkehrt, wo er mit seiner Jugendliebe Maria und seinem Rivalen um ihre Gunst, Jan, konfrontiert wird. Dezent deutet der Autor Max sexuelle Verwirrung, seine Anziehung zu Jan, an, die nie wirklich zur Auflösung kommt. Zu viel passiert, kommt dazwischen, wirbelt Max Leben durcheinander. Das zwingt ihn aber, sich sich selbst zu stellen, seiner Vergangenheit wie seiner Zukunft. Fabian Hischmann gelingt es, eine glaubhafte Versöhnung am Ende des Romans für seinen Protagonisten Max zu finden; eine Versöhnung, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern natürlich. 
Max Generation muss aufgeschüttelt werden, ein gravierendes, einschneidendes Erlebnis scheint stattfinden zu müssen, bevor sie sich aufraffen kann, beginnen kann zu leben. 
„Am Ende schmeißen wird mit Gold“ lebt von einer subtilen, nostalgischen Melancholie, einem Nachhängen der vollkommen wirkenden Jugend und Kindheit, wie auch von einer kaum merklichen, unsicheren Aufbruchsstimmung. 
Selten habe ich einen derart aufwühlenden, zugleich so ruhigen und dabei sehr ereignisreichen Roman gelesen. Einen Roman, der bleibt. 
Schade dass ein solcher Titel, sprachlich wie inhaltlich interessant, von einem jungen, begabten Schriftsteller, es zwar schafft für den Preis der Leipziger Buchmesse 2013 nominiert zu werden, aber am Ende lediglich den Publikumspreis gewinnt. 
Hoffentlich können wir alle schon bald wieder etwas Neues von diesem talentierten Schriftsteller lesen.

Interesse? Hier geht es direkt zum Buch auf der Verlagsseite:

Ab dem 11.05.2015 auch als Taschenbuch beim Berlin Verlag:
 

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